Nicht immer ist 'mehr' auch wirklich gut

In den vergangenen Monaten war die Ankündigung von Dividendenerhöhungen fast schon an der Tagesordnung. Für die Anleger zunächst eine durchaus positive Nachricht, ist die Beteiligung am Unternehmensgewinn doch neben einem etwaigen Kursanstieg ein entscheidender Anreiz für den Kauf der Aktien eines bestimmten Unternehmens. Manchmal, wie im Fall Deutsche Telekom, kann man sich allerdings kaum des Eindrucks erwehren, dass die Dividende vor allem erhöht wird, um vom Kursverlauf herb enttäuschte Anteilseigner bei Laune zu halten.

Eine Studie von Standard & Poor´s (S&P) hat jetzt ergeben, dass gesteigerte Gewinnausschüttungen sogar ein Warnsignal sein können. Den stärksten Anstieg bei den jährlichen „Barpräsenten“ verzeichnete zwischen 2004 und 2006 laut S&P der Telekom-Sektor mit einem Plus von immerhin 19 Prozent. An zweiter Stelle folgten IT-Firmen mit einem Zuwachs von 8 Prozent. Die Versorger zahlten ihren Aktionären durchschnittlich 6 Prozent mehr. Dividendenkürzungen verzeichneten vor allem Unternehmken der Branchen Energie und Werkstoff. Verblüffendes Ergebnis der S&P-Studie: Unternehmen aus Branchen, in denen die Dividenden im Schnitt erhöht wurden, wiesen danach eine eher mäßige Performance auf. Die ersten Plätze in der Rangliste belegten dagegen Branchen, deren Gesellschaften durch die Bank weniger an ihre Aktionäre ausbezahlen. Das könnte ein Indiz dafür sein, dass Anleger genau jene Unternehmen belohnen, die ideenreich und kreativ in ihre Zukunft investieren. Gesellschaften mit trüben Wachstumsaussichten werden aber selbst dann gemieden, wenn diese versuchen, Investoren durch hohe Beteiligungen am Gewinn zu ködern. Vor diesem Hintergrund verwundert es auch nicht mehr, dass die Ankündigung einer erhöhten Dividende dem Kurs der Deutschen Telekom nicht auf die Beine helfen konnte.

Ulrich Hocker