Immobilienfonds müssen

Wie schnell ein guter Ruf zerstört sein kann, erleben zurzeit die Anbieter offener Immobilienfonds. Rund 40 Jahre lang galt die Anlageform als langweilig, aber extrem sicher. Das hat sich in den letzten Wochen dramatisch verändert. Nach der vorübergehenden Schließung dreier Fonds hat das so genannte „Betongold“ den zweifelhaften Ruf einer hochriskanten Investition

bekommen. Deutlich wird an der aktuellen Misere allerdings weniger ein drastischer Verfall der Preise an den Immobilienmärkten dieser Welt, als viel mehr der tief greifende Systemfehler der Anlageklasse selbst. Zwar hat mit

dem „Grundbesitz Invest“ der Deutsche Bank Fondstochter DB Real Estate tatsächlich einer der betroffenen Fonds Abwertungsbedarf. Spekuliert wird über rund 10 Prozent. Doch genau wie bei den beiden kürzlich geschlossenen

Fonds von KanAm war der Grund, dass die Anteile nicht mehr zurückgenommen werden können, schlicht der Mangel an Liquidität.

Bisher war das kein Problem. Kam es doch nicht zu panikartigen Reaktionen der Anleger, die auf einmal massenhaft ihre Anteilscheine zurückgeben wollten. Das ist heute anders. Im Zusammenspiel von Medien und mehr oder

weniger seriösen Ratingagenturen kann bei den privaten Investoren schnell der Eindruck entstehen, dass rasches Handeln geboten ist. Die Auswirkungen sind bekannt. Im Gegensatz zu Aktien- oder Rentenfonds, die durch den

Verkauf von Wertpapieren schnell an Geld kommen, müssen offene Immobilienfonds hierfür Büro- oder Wohngebäude verkaufen. Die Immobilität der Anlage wird den Fonds bei einem Massenansturm verkaufswilliger Anleger zum Verhängnis. Real Estate Investment Trusts, so

genannte REITs, könnten die Lösung sein. Die Immobilien werden in eine Aktiengesellschaft eingebracht. Zu Schließungen wegen Liquiditätsengpässen

kann es nicht kommen, da die Papiere keinen Anteil am Immobilienbestand, sondern einen an der Gesellschaft verbriefen.

Ulrich Hocker