Gefühlskälte ist an der Börse meist ein Vorteil

Gerade ältere Aktionäre wissen aus eigener Erfahrung, dass an der Börse nicht immer nur die harten Fakten zählen. Psychologie ist meist ebenso wichtig. Viele halten „das richtige Gespür“ sogar für unabdingbar, wenn es gilt, gute Geschäfte zu machen. Doch ebenso unbestritten ist die Tatsache, dass Gefühle bei Investitionsentscheidungen häufig stören, weil sie den Blick auf die Fakten verstellen.

Trotz dieser Erkenntnis gibt es immer wieder Konstellationen, in denen Anleger – und damit sind sowohl private wie auch institutionelle Investoren gemeint – dazu neigen, sich bei ihren Anlageentscheidungen von Emotionen leiten zu lassen. So werden etwa Aktien, mit denen in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht wurden, häufig selbst dann links liegen gelassen, wenn die Papiere mittlerweile zu den Erfolgreichsten am Markt gehören. Ganz ähnlich wird mit Papieren verfahren, mit denen in der Vergangenheit ordentliche Gewinne realisiert wurden. An solchen Investments wird auch dann noch festgehalten, wenn die Aktie über Jahre hinweg schlechter abschneidet als der Gesamtmarkt. Selbst in Fällen, in denen es keine „Vorgeschichte“ mit einer Aktie gibt, lassen Investoren sich zuweilen von ihren Gefühlen leiten. So ist immer wieder zu beobachten, dass an Titeln trotz fallender Kurse festgehalten wird. Ziel dieser wenig Erfolg versprechenden Strategie ist es, erlittene Verluste wieder wettzumachen. Im Hinblick auf diese „emotionalen Fallstricke“ sollten Anleger sich frühzeitig selbst die Hände binden. So kann etwa die Rückbesinnung auf harte Finanzkennzahlen die Bewertung einer Aktie wieder ins rechte Licht rücken. Ebenfalls hilfreich sind die unter Händlern üblichen Limite. Dabei wird schon vor dem Kauf des jeweiligen Papiers festgelegt, wie stark ein Titel fallen oder steigen darf, bis er wieder veräußert wird.

Ulrich Hocker