Die Börse steht vor einem bewegten Jahr
Zwei Themen werden im Börsenjahr 2004 eine beherrschende Rolle spielen: Übernahmen und Emissionen. Für Aktionäre ist das eine durchaus positive Entwicklung. Niedrigen Börsenbewertungen stehen Unternehmen gegenüber, die erfolgreich umstrukturiert haben. In den Kursen finden sich diese Erfolge noch nicht wieder. Nur konsequent, dass Private Equity Firmen wie die Carlyle Group, KKK oder BC Partners in Deutschland auf Beutezug sind. Geld haben sie auf jeden Fall genug. Ende 2001 standen allein den US-Firmenkäufern 180 Milliarden Dollar zur Verfügung.
Und das Übernahmekarussell hat erst begonnen, sich zu drehen. Hier nur einige Beispiele: Bosch übernimmt Buderus, Rheinmetall kauft Kolbenschmidt, Dyckerhoff gehört mittlerweile dem italienischen Baukonzern Buzzi. Proctor&Gamble hat sich den M-Dax-Wert Wella gesichert, ProSiebenSat1 gehört einer Investorengruppe um den US-Medienunternehmer Haim Saban, Tchibo hat Beiersdorf gekauft und vor kurzem übernahm die US-Investmentgesellschaft Blackstone den deutschen Chemiekonzern Celanese.
Geschützt sind nur solche Unternehmen, die einen Großaktionär ohne Verkaufsinteressen hinter sich wissen. Alle anderen stehen zur
Disposition, unabhängig von Größe oder Branche. Alles ist möglich. Auf die Vernetzung der Deutschland AG kann kein Übernahmekandidat mehr bauen. Banken und Versicherungen verkaufen auf der Suche nach Reserven ihre Beteiligungen lieber heute als morgen. Die Deutschland AG ist tot.
Aber nicht nur das Übernahmekarussell nimmt immer mehr Fahrt auf. Gleiches gilt für Börsengänge. Das einzige was noch fehlt ist eine erste erfolgreiche Emission. Hier könnte die Postbank zu einem echten Stimmungsumschwung führen und eine ganze Reihe von weiteren Kandidaten zur Nachahmung animieren.
Ulrich Hocker

