Bankenabschlüsse werden Risiken aufdecken

Was mit der sorglosen Vergabe von Baudarlehen an wenig solvente Kunden durch amerikanische Banken begann, hat sich in kurzer Zeit zu einer ausgewachsenen Vertrauenskrise an den internationalen Geldmärkten entwickelt, die ein wenig an ein altbekanntes Kartenspiel erinnert. Jeder misstraut jedem, und wer am Ende den schwarzen Peter sein Eigen nennt, hat verloren. Allerdings ist diesmal nicht nur eine der ungeliebten Karten im Spiel. Da gibt es die so genannten Asset-Backed-Securities (ABS). Hiermit können Forderungen verbrieft und an Hedgefonds, Finanzinvestoren oder andere Banken weiterverkauft werden. Mortgage-Backed-Securities (MBS) sind wiederum ABS-Anleihen, die ausschließlich mit Hypothekendarlehen gesichert sind. Der weltweite Handel mit diesen Derivaten führte dazu, dass sich die Krise so schnell ausdehnen konnte. Und last-but-not-least die Collateralized-Debt-Obligations (CDOs), in denen verschiedene Kredittranchen, die nach ihrer Bonität gestaffelt sind, gebündelt werden.


Klar ist schon jetzt: Fast jede Bank hat solche Papiere in den Büchern. Nur wie hoch die darin versteckten Risiken sind, ist unsicher. Kein Wunder also, dass es mit dem Vertrauen unter den Geldhäusern zurzeit nicht sonderlich gut steht. Die Zinssätze am Interbankenmarkt, an dem die Institute sich gegenseitig kurzfristige Kredite zur Refinanzierung ihrer laufenden Geschäfte geben, sind nach wie vor hoch. Nur zusätzlich von den Zentralbanken ins System gepumptes Geld verhindert Engpässe.
Wirklich spannend wird es aber Ende September, wenn die Banken ihre Quartalszahlen vorlegen. Dann werden Wirtschaftsprüfer vor der Frage stehen, wie die risikobehafteten Wertpapiere zu bewerten sind. Man muss kein Prophet sein, um zu prognostizieren, dass hier noch böse Überraschungen schlummern könnten.


Ulrich Hocker