Auf die richtige Kennzahl kommt es an
Viele Deutsche Aktiengesellschaften werden auch 2006 einen höheren Gewinn ausweisen als im Vorjahr. Besonders die im DAX notierten Unternehmen glänzen erneut mit Rekordzahlen. Doch sollte bei aller Freude über die positive Entwicklung nicht vergessen werden, dass die Zuwächse nicht nur dem Wachstum des operativen Geschäfts zu verdanken sind, sondern teilweise schlicht auf der Umstellung der Rechnungslegung auf die International Financial Reporting Standards (IFRS) beruhen. Überzeichnet wird die Gewinnentwicklung etwa durch die neue Bilanzierung des „Goodwill“. Hierbei handelt es sich um jenen Betrag, den ein Käufer einer Firma über den Substanzwert hinaus bezahlt. Vor Einführung der IFRS-Regeln wurde dieser über mehrere Jahre abgeschrieben. Jetzt wird die Werthaltigkeit jedes Jahr aufs Neue überprüft und entsprechend angepasst. Laufen die Geschäfte gut, wie im Moment, entfällt die Abschreibung. In schlechten Zeiten kann es dagegen zu großem Abschreibungsbedarf kommen. Dadurch werden Kaufempfehlungen relativiert, die viele Banken derzeit auf Basis des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) aussprechen. Es wird darauf verwiesen, dass das aktuelle KGV für den DAX mit 13 unter dem langjährigen Durchschnitt von 15 liegt, Aktien also niedrig bewertet sind. Wird der Einfluss der geänderten Bilanzierungsvorschriften herausgerechnet, klettert das KGV genau auf diese 15. Sinnvoller ist eine Analyse des operativen Cash-flow, der anzeigt, wie viel das Unternehmen tatsächlich aus eigener Kraft erwirtschaftet hat. Die Cash-flow-Rendite, also das Verhältnis von Mittelzufluss zu Börsenwert, ist seit dem Jahr 2003 übrigens stetig zurückgegangen.
Ulrich Hocker

