An den Börsen könnte die Luft bald dünn werden

An den deutschen Börsen stürmen die Aktienindizes fast täglich von einem Jahreshoch zum nächsten. Die Investoren nehmen immer neue Kursgipfel ins Visier und erklimmen sie dann meist schneller und problemloser als prognostiziert. Charttechnische Widerstände bilden dabei offenbar keine echten Hindernisse. Von Schwindelanfällen wird bei dieser Berghatz kaum ein Marktteilnehmer geplagt. Ganz im Gegenteil, die immer neuen Höhen, so heißt es von überzeugten Berg-Bullen, seien lediglich „normale“ oder „logische“ Reaktionen auf die positiven Rahmendaten, wie den niedrigen Ölpreis, die erstaunlich stabilen Zinsen und die nach wie vor überzeugenden Unternehmenszahlen. Von einer zu hohen Bewertung kann nach Meinung der meisten Investoren nun wirklich keine Rede sein.

Doch es gibt auch noch den ein oder anderen Bären. Einer der profiliertesten Vertreter dieser pessimistischen Spezies ist Stephen Roach, der Stratege der US-Investmentbank Morgan Stanley. Roach ist überzeugt, dass die Zentralbanken die Widerstandsfähigkeit der Weltwirtschaft und der Finanzmärkte in den zurückliegenden Jahren mit einer übertrieben expansiven Geldpolitik erkauft haben. Aufgrund dieser Tatsache sei trotz der moderaten Zinserhöhungen nach wie vor jede Menge überschüssige Liquidität im Markt. Auf jeden Fall genug, um die Kurse eines ganzen Bataillons unterschiedlichster Finanzanlagen zu stützen. Diese Übertreibung im globalen Liquiditätszyklus ziehe unter anderem Kursblasen nach sich, die aber irgendwann platzen könnten. Dass Roach mit dieser Meinung nicht ganz alleine steht, zeigen die Aussagen einiger anderer Analysten, die ein Stocken der Kurse schon fast erleichtert als „willkommene Verschnaufpause“ begrüßen. Bleibt zu hoffen, dass die Auguren noch lange unrecht behalten.

Ulrich Hocker